Bildungsdirektion
Volksschulamt

Hintergrund

Lehr- und Lernformen

In der Unterrichtsforschung wird die Vielfalt der Lehr-Lernformen oft auf zwei Grundarten reduziert - Direkte Instruktion und Offener Unterricht. Diese Zweiteilung greift jedoch zu kurz und bildet die tatsächliche Praxis nur unzureichend ab. Für den schulischen Alltag ist es daher hilfreicher, vier zentrale Unterrichtsformen zu unterscheiden:

Werden diese vier Formen ausgewogen eingesetzt, können sie sich gegenseitig wirkungsvoll ergänzen. Denn ein guter Unterricht zeichnet sich durch den gezielten Wechsel zwischen unterschiedlichen Lehrmethoden aus. Die vier Grundformen unterscheiden sich dabei in drei zentralen Merkmalen:

Es werden Absprachen für die Arbeit in allen Grundformen des Lernens getroffen und die Interessen der Schülerinnen und Schüler abgeholt.

Gemeinsamer Unterricht

Gemeinsamer Unterricht meint ein Klassenunterricht ohne Bezug zu einem Fach. Diese Art von Unterricht findet oft zu fixen Zeiten statt, zum Beispiel der Stuhlkreis am Montagmorgen, die Klassenkonferenz oder der Wochenabschluss. Manchmal wird der gemeinsame Unterricht spontan angesetzt, z.B. bei einem Disziplinkonflikt. Der gemeinsame Unterricht kann auch für die Umstellung oder das Aufräumen des Klassenzimmers verwendet werden. Er macht je nach Schulstufe und Schulform bis zu einem Fünftel des Gesamtunterrichts aus.

Bevorzugte Sozialform

Grad der Selbststeuerung der Schülerinnen und Schüler
Rollen Lehrperson und Lernenden

Direkte Instruktion

Die Direkte Instruktion ist eine lehrerzentrierte Unterrichtsmethode, die insbesondere durch John Hattie bekannt wurde. Sie eignet sich besonders gut, um Grundlagenwissen schnell und strukturiert zu vermitteln. Die Lehrperson vermittelt den Lehrstoff, informiert die Schülerinnen und Schüler über die Aufgabenstellung und strukturiert die Lerninhalte. Die Lerninhalte werden in kleine, aufeinander aufbauende Einheiten gegliedert und explizit vermittelt.

Bevorzugte Sozialform
Grad der Selbststeuerung der Schülerinnen und Schüler

Rollen Lehrperson und Lernenden:
7 Schritte der direkten Instruktion

Die Direkte Instruktion umfasst sieben Hauptschritte:

  1. Die Lehrperson bestimmt die Lernziele und informiert die Schülerinnen und Schüler darüber.

  2. Die Lehrperson bestimmt die Erfolgskriterien für das Erreichen der Ziele. Die Schülerinnen und Schülerinnen kennen diese.

  3. Die Lehrperson unterstützt und motiviert die Schülerinnen und Schüler darin, Selbstverpflichtung und Engagement für die Lernaufgabe zu entwickeln.

  4. Für die Unterrichtsstunde verfügt die Lehrperson über Leitlinien bezüglich: a) Input (bereitgestellte Informationen für die Schülerinnen wie beispielsweise Film), b) Modellieren: Lautes Denken des Lösungswegs c) Verständnisüberprüfung durch Kontrolle des Wissensstandes: Frontalunterricht kann hier für den Teilschritt «Input» eingesetzt werden. John Hattie beschreibt ihn als «kleinschrittiges, von der Lehrperson geleitetes Sprechen vom Lehrertisch aus». In dieser Sequenz stellt die Lehrperson den Lernenden Grundlagenwissen bereit als Ausgangspunkt und Voraussetzung für die nächsten Lernschritte.
  5. Es erfolgt ein angeleitetes Üben: Die Lernenden zeigen durch eine Aktivität oder Übung unter Aufsicht der Lehrperson, was sie neu gelernt haben.

  6. Am Ende der Unterrichtsstunde gibt die Lehrperson den Schülerinnen und Schülern Feedback zu den Lernzielen.

  7. Es gibt ein eigenständiges Üben, indem die Schülerinnen und Schüler das erworbene Wissen selbständig anwenden und festigen.

Lerngerüste:

Zentral für effektives Lernen sind u.a. folgende Punkte:

Kooperatives Lernen

Das Kooperative Lernen ist eine wirksame Möglichkeit, die notwendige Verarbeitung der Informationen aus frontalen Lernsituationen anzuregen. Dazu wird die frontale Unterrichtssituation durch die Grundstruktur des Kooperativen Lernens – durch die Abfolge von Einzelarbeit, Kooperation, Präsentation - ergänzt, sodass sich die die Schülerinnen und Schüler in einem Wechsel von Darbietung und Kooperation die Unterrichtsinhalte aneignen.

Besondere Merkmale

Eine häufig eingesetzte Methode des Kooperativen Lernens ist die des „Think-Pair-Share“. Diese besteht aus der Abfolge von Einzelarbeit, Kooperation in kleinen Gruppen und Präsentation. Daneben ist das Gruppenpuzzle weit verbreitetet. Dabei findet ein mehrfacher Wechsel zwischen der Arbeit in der Stammgruppe und der Expertengruppe statt. In der Expertengruppe erwirbt die einzelne Schülerin, der einzelne Schüler vertieftes Wissen in einem Teilbereich des Unterrichtsthemas. Dieses Wissen aus je verschiedenen Expertengruppen zu unterschiedlichen Teilthemen wird dann in die Stammgruppe getragen.

Individualisierender Unterricht / Erweiterte Lehr- und Lernformen

Der Begriff der «Erweiterten Lehr- und Lernformen» umschreibt Unterrichtsformen, die den traditionellen Frontalunterricht / die Direkte Instruktion ergänzen oder ersetzen. Im Zentrum des «ELF» stehen die Lernenden und ihre Lernaktivitäten. Die erweiterten Lehr- und Lernformen werden auch als Offener Unterricht beschrieben mit einer Betonung der Selbstregulation und hohen Anteilen an Projekt-, Gruppen- und Freiarbeit.

Lehrer- und Schülerrollen: Die Lehrperson wird zur Lernprozessberaterin respektive zum Coach. Sie hilft bei der individuellen Lernplanung. Während des Unterrichts hält sie sich zurück, ist jedoch eine aufmerksame Beobachterin. So achtet sie z.B. auf einen konstruktiven Umgang mit Fehlern.

Die folgende Auflistung stellt eine kleine Auswahl der gängigsten Formen der «ELF» dar.

Werkstattunterricht

Im Zentrum des Unterrichts steht ein reichhaltiges Angebot von Lern- bzw. Arbeitsaufträgen, die von den Schülerinnen und Schülern selbstständig bearbeitet werden. Die Lernenden können innerhalb eines von der Lehrperson gesteckten Rahmens selber entscheiden über:

Da im Schulzimmer nebeneinander «wie in einer Werkstatt» an verschiedenen Arbeitsplätzen und an unterschiedlichen Aufgaben gearbeitet wird, wurde dieser Form des Unterrichts die etwas missverständliche Bezeichnung «Werkstattunterricht» gegeben.

Besondere Merkmale
Eignung

Der Werkstattunterricht ist vor allem für Themen mit einer offenen Lernstruktur geeignet (d.h. ohne vorgegebene bzw. sachlogisch bedingte Abfolge der Lernschritte).

Wochenplanunterricht

In den speziell dafür vorgesehenen Wochenplanstunden (z.B. vier Stunden wöchentlich) arbeiten die Schülerinnen und Schüler selbstständig – allein, mit einem Lernpartner oder in Gruppen – an den Lernaufgaben, die im Wochenarbeitsplan aufgeführt sind (z.B. «Löse im Rechnungsbuch die Aufgaben 13–19 auf S. 94» oder «Bearbeite drei Aufgaben aus der Werkstatt zum Thema Energie»).

Der Wochenarbeitsplan dient als wichtiges Instrument zur Steuerung des Lernprozesses mit drei Funktionen:

Besondere Merkmale
Eignung

Freie Arbeit

Im Stundenplan bzw. im Wochenplan sind bestimmte Zeiten vorgesehen, in denen die Schülerinnen und Schüler – allein oder zusammen mit einem oder mehreren Lernpartnern – frei gewählte Tätigkeiten ausführen können. Dabei kann es sich um Lerntätigkeiten im engeren Sinne oder um gestalterische und produktorientierte Tätigkeiten handeln. Diese Aktivitäten können, müssen aber nicht in einer Beziehung zu den aktuellen Themen des Unterrichts stehen.

Besondere Merkmale
Eignung

Freie Arbeit lässt sich gut in den Wochenplanunterricht integrieren. Die Freiarbeitszeiten sollten aber im Wochenplan klar definiert werden. Die freie Wahlmöglichkeit und die damit verbundene Möglichkeit der Mitgestaltung durch die Lernenden führen dazu, dass sich die Schülerinnen und Schüler stark mit ihren Arbeitsergebnissen identifizieren. Die Möglichkeit, diese Arbeitsergebnisse der Klasse vorzustellen, ist darum ein wichtiger Bestandteil dieser Unterrichtsform.

Projektunterricht

Im Projektunterricht wird ein Unterrichtsvorhaben in der Klasse gemeinsam geplant, durchgeführt und ausgewertet, wobei auch die Wahl der Themen und Arbeitsschwerpunkte zusammen mit den Schülerinnen und Schülern getroffen wird.

Die Arbeiten werden normalerweise im Sinne einer arbeitsteiligen Gruppenarbeit ausgeführt. Die Präsentation der Arbeitsergebnisse vor der Klasse oder vor einer breiteren Öffentlichkeit bildet einen wichtigen Bestandteil des Projektunterrichts.

Besondere Merkmale

Wie bei Projekten üblich, läuft auch der Projektunterricht in Phasen ab.

Eignung

Der Projektunterricht ist für Themen und Fächer mit offenen Lernzielen gedacht. Wo aufgrund des Lehrplans oder aufgrund der Lehrabsichten der Lehrperson diese Zieloffenheit fehlt, ist es nicht sinnvoll, die Wahl der Themen- und Arbeitsschwerpunkte den Schülerinnen und Schülern zu überlassen. Vorausgesetzt ist ein hohes Interesse der Lernenden am Thema bzw. am Arbeitsziel. Das Handlungsziel bzw. das Thema sollte im Erfahrungshorizont der Schülerinnen und Schüler liegen.

Lernjournal

Das Lernjournal (Reisetagebuch, Lerntagebuch ...) ist ein Werkzeug in der Hand der Schülerinnen und Schüler, in dem die Lernprozesse, aber auch gewisse Lernprodukte individuell dokumentiert und dargestellt werden. Das Journal weist eine subtile Ordnung auf, die einen ganz persönlichen Lernweg kennzeichnet. Meistens sind die Tagebücher nicht nach Fächern und Themen gegliedert, sondern nach den zeitlich aufeinander folgenden Stadien des Lernens.

Für Besucherinnen und Besucher empfiehlt sich, nur in Absprache mit der Lehrperson Einblick in die Tagebücher zu nehmen.

Besondere Merkmale
Eignung

Der Einsatz des Lernjournals ist praktisch in allen Unterrichtsbereichen und Themenstellungen möglich.

Bei der Gestaltung des Unterrichts sind die Lehrpersonen im Rahmen der didaktischen Grundsätze und der Forderungen des Lehrplans in der Wahl der Methode grundsätzlich frei. Allerdings kann die Methodenfreiheit im Schulprogramm oder durch Beschlüsse der Schulkonferenz eingeschränkt werden, ebenso vereinzelt durch obligatorische Lehrmittel (z.B. im Fremdsprachenunterricht). Direkte Instruktion respektive Frontalunterricht einerseits oder Werkstattunterricht andererseits sind an sich weder besser noch schlechter. Die Gleichungen «Werkstattunterricht = guter Unterricht» und «Frontalunterricht = schlechter Unterricht» (oder umgekehrt) stimmen nicht. Einseitig orientierter Unterricht ist hingegen einem vielfältigen, differenziertem, den Lernzielen angepassten Unterricht deutlich unterlegen.

Weiterführende Informationen

Meyer, Hilbert (2015): Unterrichtsentwicklung. Berlin: Cornelsen Schulverlage.

Helmke, Andreas (2015): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. 6. Überarbeitete Auflage. Selze: Klett-Kallmeyer.

Hattie, John A. C. (2013): Lernen sichtbar machen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von «Visible learning», besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren

http://www.lernensichtbarmachen.ch/faqs/handelt-es-sich-bei-der-direkten-instruktion-direct-instruction-um-frontalunterricht/

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