Aufgabe der Gemeinde

Tagesstrukturen und Tagesschulen

Aufgrund veränderter Familienstrukturen und weil immer mehr Eltern Berufstätigkeit und Familie miteinander vereinbaren wollen oder müssen, steigt der Wunsch nach ausserfamiliären Betreuungsangeboten. Mit dem Volksschulgesetz vom 7. Februar 2005 werden die Gemeinden verpflichtet, bedarfsgerechte Betreuungsangebote einzurichten.

Im Volksschulgesetz wird das Thema Tagesstrukturen in allgemeiner Form aufgegriffen, für Tagesschulen gibt es noch keine Rechtsgrundlage. Dem wachsenden gesellschaftlichen Bedürfnis nach Betreuungsangeboten – dazu gehören Kinderhorte, Schülerclubs, Mittagstische, Tagesschulen und vereinzelt Tagesfamilien – trägt der Regierungsrat im Rahmen seiner Legislaturziele 2015-2019 Rechnung, indem die Einführung von Tagesschulen ermöglicht und gefördert werden soll. Die Förderung von Tagesschulen wird nicht nur unter bildungspolitischen, sondern auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet: Tagesschulen stellen einen Beitrag zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dar. Sie haben auch grosse Bedeutung als Beitrag zur besseren Ausschöpfung des Fachkräftepotenzials, indem gut ausgebildeten Frauen mit Familie der Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtert wird.

Für umfassendere Tagesstrukturen sprechen auch pädagogische Überlegungen. Die Kinder können lernen, sich in eine Gemeinschaft einzufügen und sich zu behaupten. Zudem bietet die sinnvolle Ausgestaltung der familienergänzenden Betreuungsangebote zusätzliche Lernmöglichkeiten und Lernangebote. Die Tagesstrukturen bieten Stabilität und Sicherheit und fördern die Chancengleichheit der Kinder unabhängig von sozialer und kultureller Herkunft, Sprache, Religion und Geschlecht.

Gesetzliche Grundlagen

Damit das Ziel des Regierungsrats erreicht werden kann, sind klare kantonale Bedingungen wesentlich. Deshalb erarbeitet die Bildungsdirektion eine Gesetzesvorlage, in der die Begriffe Tagesstrukturen und Tagesschulen beschrieben und die gesetzlichen Rahmenbedingungen festgelegt werden.

Tagesstrukturen

Zukünftig werden die Tagesstrukturen in einer eigenen Bestimmung verankert. Die Gemeinden haben nach wie vor einen grossen Handlungsspielraum bei der Einführung und Ausgestaltung des Angebots. Der Ausdruck «Tagesstrukturen» ist als Oberbegriff zu verstehen, der auch Tagesschulen umfasst. Der Besuch von Tagesstrukturen ist freiwillig, die Gemeinden sind verpflichtet der Nachfrage entsprechende Tagesstrukturen anzubieten.

Das Angebot an Tagesstrukturen ist kommunal geregelt und dementsprechend unterschiedlich ausgebaut. In der Regel ist es modulartig wählbar und einkommensabhängig kostenpflichtig. Die Elternbeiträge dürfen höchstens kostendeckend sein.
→ Website Volksschulamt; vsa.zh.ch > Schulbetrieb & Unterricht > Führung & Organisation > Tagesstrukturen

Tagesschulen

Der Begriff „Tagesschulen“ wird künftig in einem eigenen Absatz beschrieben. Die pädagogische Verknüpfung von Unterricht und Betreuung als wesentliches Merkmal einer Tagesschule wird neu ausdrücklich im Gesetz verankert. Die Tagesschulen können den Besuch von Betreuungsangeboten für obligatorisch erklären. Wegen dem Grundsatz der Freiwilligkeit von Tagesstrukturen muss die Gemeinde jedoch parallel zu einer Tagesschule mit obligatorischer Betreuung auch Unterricht mit frei wählbarer Betreuung anbieten.

Auch die Volksschulverordnung wird im Nachgang zur Anpassung des Volksschulgesetzes bezüglich Tagesstrukturen/Tagesschulen entsprechend angepasst.

Stadt Zürich, Projekt Tagesschulen 2025

Die Stadt Zürich startete im Sommer 2016 das Projekt «Tagesschulen 2025» und führt damit anstelle der heutigen Regelschulen, Tagesschulen und Schülerclubs ein stadtweit einheitliches Modell zum Betrieb und zur Infrastruktur von Tagesschulen ein. Der Rahmen für die Umsetzung (Abgestufte Gebundenheit, einheitliche Zeitpläne, gestaffelte warme Mahlzeiten, Stärkung des pädagogischen Freiraums der Schulen, Zusammenarbeit mit Drittanbietern von Freizeitangeboten) wird von der Stadt Zürich vorgegeben, innerhalb dieses Rahmens sind die Schulen frei in der Ausgestaltung. Allerdings gilt auch hier weiterhin das Prinzip der Freiwilligkeit, die Eltern können ihre Kinder vom Mittagessen abmelden.

Unterstützung

In der Wegleitung «Tagesstrukturen» finden sich umfassende Beschreibungen der verschiedenen Betreuungsangebote sowie Empfehlungen zu deren Ausgestaltung. Die Handreichung wird ergänzt durch zahlreiche Beiblätter und Mustervorlagen.
→ Website Volksschulamt: vsa.zh.ch > Schulbetrieb & Unterricht > Führung & Organisation > Tagesstrukturen.

Um die Gemeinden bei der Gründung einer Tagesschule zusätzlich zu unterstützen, stellt die Bildungsdirektion Planungsmaterialien und ein Beratungsangebot zur Verfügung. In der Broschüre „Die Tagesschule – von der Idee bis zur Einführung“ finden sich Hinweise, wie der Aufbau einer Tagesschule geplant und wie die Tagesschule geführt werden kann. Die Broschüre wird ergänzt durch Vorlagen, Checklisten und ein Kostenberechnungstool. Ausserdem stehen erfahrene Zürcher kantonale Tagesschulen mit verschiedenen Voraussetzungen und Modellen als Kontaktschulen für Beratungen zur Verfügung.

Weiterführende Informationen

Bildungsdirektion Kanton Zürich: Umsetzung Volksschulgesetz – Wegleitung Tagesstrukturen (Mai 2013). Bezug als Download unter → vsa.zh.ch > Schulbetrieb & Unterricht > Führung & Organisation > Tagesstrukturen.

Bildungsdirektion Kanton Zürich, Volksschulamt: Die Tagesschule – von der Idee bis zur Einführung (März 2017). Bezug als Download unter → vsa.zh.ch > Schulbetrieb & Unterricht > Führung & Organisation > Tagesstrukturen > Tagesschulen.

Brückel, Kuster, Annen, Totter, Larcher (Hrsg.): Qualität in Tagesschulen/Tagesstrukturen (QuinTaS). Bern: hep verlag ag, 2017 (unentgeltlicher Bezug eines Exemplars für Schulgemeinden und Schulkreise unter → vsa.zh.ch > Schulbetrieb & Unterricht > Führung & Organisation > Tagesstrukturen > Tagesschulen.

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